Bis zu seine Ankuendigung, er wolle demokratischer Praesidentschaftskandidat werden, kannte kaum jemand ausserhalb von Illinois Barack Obama. Dass der Senator aus diesem Bundesstaat schon wenige Monate spaeter als Shooting-Star der Primaries und charismatischer Hoffnungstraeger gefeiert wurde, hat das politische Establishment in seinen Grundfesten erschuettert. In seiner Autobiografie erzaehlt er von seinen ersten 34 Lebensjahren. Obama ist nicht nur aufgrund seines raschen Erfolgs ein Phaenomen. Er ist sperrig und laesst sich nur schwer irgendeinem Lager zuordnen; wenig verwunderlich, dass die amerikanischen Demoskopen regelmaessig in ihren Vorhersagen scheitern. Obama ist schwarz, stammt aber nicht von aus Afrika verschleppten Sklaven ab. Sein Vater kam aus Kenia als Gaststudent in die USA, die Mutter ist eine weisse Amerikanerin aus Kansas. So ist er vielen Schwarzen zu weiss und hat bei den ersten Vorwahlen im "weissen" Iowa demonstriert, dass er eine Mehrheit unter weissen Waehlern einfahren kann. Anderen wiederum gilt er wahlweise als neuer Martin Luther King oder J.F. Kennedy.
Obama tritt in einem Land an, das hinsichtlich seiner verschiedenen Ethnien noch immer tief zerissen ist, in dem die Konfliktlinien auch fuer Insider mitunter schwer verstaendlich sind. Seine Autobiografie zeigt, wie sich diese Zerrissenheit in dem Werdegang eines Mannes spiegelt, der lange um seine Identitaet rang. Obamas Autobiografie ist 1995 zum ersten Mal erschienen. Er nennt sie einen "Beitrag zum Verstaendnis der Rassenprobleme in unserem Land..." Aus ihr laesst sich einiges ueber die fruehen Praegungen des Newcomers erfahren und auch ueber seine Visionen von einem neuen Amerika. Dass er diese Erinnerungen heute anders schreiben wuerde, darf als gesichert gelten.
So erzaehlt er freimuetig von studentischen Marathon-Partys mit naechtelangen Diskussionen, jeder Menge Dosenbier und Zigaretten. Es sind Passagen wie diese, die nicht zum klassischen Image eines Praesidentschaftskandidaten passen wollen, die aber etwas Wichtiges leisten: Sie helfen, eine Persoenlichkeit zu verstehen, die ihren eigenen, keineswegs immer geraden Weg gegangen ist; die eine juristische Karriere in Harvard begann, dann aber in der armen Chicagoer South Side Buergeranwalt wurde, sich um die Menschen am Rande der Gesellschaft kuemmerte und erst langsam in die Lokal-, Landes- und schliesslich nationale Politik hineinwuchs. Entstanden ist eine fast intime Autobiografie, "eine persoenliche, innere Reise ... die Suche eines Jungen nach seinem Vater und damit auch nach einem ueberzeugenden Lebensinhalt fuer ihn, den schwarzen Amerikaner." --Henrik Flor, Literaturtest